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RSSPrint

»Überangebote«, aber auch Lichtblicke!

Die Kirche öffnete zuerst zum stillen Gebet, nun erklingt auch wieder die Musik der Orgel, und wir feiern gemeinsam Andachten. Es ist eine kreative Zeit! Viele Online-Andachten gibt es zum Nachhören auf unserer Website, und davon soll es auch in der Zukunft noch einige geben.

Aber nicht nur die Kirche versorgt uns mit verschiedenen Angeboten. Wenn ich durch die sozialen Medien scrolle, sehe ich Aufforderungen: jetzt eine neue Sprache lernen, mir das Kochen aneignen und viel Sport treiben. Man hätte ja mit dem Corona-Lockdown jetzt die Zeit dazu. Und wenn ich meine Ziele nicht erreiche, dann war »keine Zeit« wohl immer nur eine Ausrede, und ich bin selbst schuld, dass ich nichts schaffe …
Aber ist Corona wirklich die Zeit, sein neues, besseres Ich zu finden? Eine Zeit, in der ich immer stärker werde? Ich denke, das muss nicht sein.

Der Alltag in diesen verrückten Zeiten kam vermutlich für alle schneller als gedacht. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier, und so gewöhnten wir uns schnell an ausverkaufte Läden, daran, nicht mehr rausgehen zu dürfen oder Freunde zu treffen, und ans Home-Office. Die »freie Zeit«, die sich vielleicht am Anfang der Ausgangsbeschränkung noch geboten hat, wurde gefüllt mit dem Nähen von Masken, der eine oder die andere hat das Zuhause aufgeräumt … aber wer Kinder zu Hause hat, hatte definitiv nicht »mehr Zeit« für sich, und nach zwei Wochen gingen einem vermutlich die Bastelideen für die Kleinen aus. Und so findet man sich auf Instagram, Pinterest und weiteren Internetseiten wieder und sucht nach Ideen, wie man sich mitsamt Nachwuchs beschäftigen kann – und zwischen all dem die Aufforderung, »sein besseres Ich zu finden«, dazu die Werbung zum Sprachen-lernen, das passende Bauch-Beine-Po-Workout und diverse Rezepte, die vermutlich nicht ganz in das Abnehm-Konzept passen.

Meine Hochschule hat ihren Betrieb ebenfalls online wieder aufgenommen, und ich habe nicht das Gefühl, »mehr« Zeit zu haben. Der Haushalt macht sich nicht von allein – es muss (immer noch) abgespült, geputzt und gewaschen werden, zusätzlich müssen die Großeltern mit dem Einkauf versorgt sein. Um uns und andere zu schützen, können wir auch nicht mehr auf die aktive Unterstützung unserer Familien und Freunde zurückgreifen. Großeltern und Enkel können nicht mehr zusammen sein. Video-Telefonate können diese Verbindungen nicht ersetzen.

Gerade jetzt ist es also völlig okay, sich kaputt zu fühlen und mal nichts tun zu wollen
oder zu können.

Auch Gott hat seine Zeit, sich auszuruhen.

Wir als Christen erfahren das sonntags, unserem siebten Tag der Woche, wie in Genesis 1,31 – 2,2 beschrieben: Nachdem Gott die Welt erschaffen hat, hat auch er sich Ruhe gegönnt. Er hätte auch immer weiter machen können, zum Beispiel hätte er einen bewohnten Nachbarplaneten kreieren und weitere Arten erschaffen können, aber für ihn war ein gutes Maß erreicht und … Es war sehr gut!
Und Gott sagt, dass wir den Ruhetag heiligen sollen, und das geht für ihn nicht mit mehr Arbeit, auch dann nicht, wenn sie für Gott wäre. Auch wir müssen nicht pausenlos (an uns) arbeiten. Es ist erlaubt, nein zu sagen: nein zu Workouts im Wohnzimmer, nein zu neuen kulinarischen Reisen in der Küche, nein zu neuen Sprachen im Arbeitszimmer. Und wenn man doch mal die Motivation dazu findet, ist es auch gut!

Lassen wir Corona zu einer Zeit werden, in der wir das tun, was wir können und wollen, weil wir den Zwängen unserer Gesellschaft in unseren eigenen vier Wänden entgehen können, und in dem Wissen, dass wir bei Gott so angenommen sind, wie wir sind!

Bis wir uns mal wiedersehen, live und in Farbe oder auch nur auf dem Bildschirm: 
Ihre und Eure Victoria Ebert

Letzte Änderung am: 17.05.2020