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RSSPrint

Bleiben Sie unaufgeregt!

 

Solch eine Situation habe ich in den 25 Jahren, die ich Pfarrerin bin, noch nicht erlebt. Und nun sind die Gottesdienste bereits gänzlich untersagt, vermutlich auch über Ostern. Letztes Jahr konnten wir wegen der Baumaßnahmen in der Kirche keine Osternacht feiern, nun sollte es eine mit KonfirmandInnen-Taufen werden. Daraus wird nun leider nichts.

Wie dann aber Gemeinschaft haben in Zeiten von Corona? Das Solidarisch-Sein wird derzeit von allen gefordert, und das Aufeinander-Achten und der Schutz von Bedürftigen gehört zum Ureigensten des Christseins. Was also tun oder auch lassen?

Mich erreichen Anrufe von Gemeindegliedern, die sich sorgen, dass ihre bevorstehende Operation verschoben wird. Und ich höre zugleich von Hilfsangeboten … Zetteln, die im Treppenhaus ausgehängt werden: Da bietet eine junge Familie, die nun in diesen Tagen ihre Kinder zu Hause betreut, Einkaufshilfe für Nachbarn an; Jugendliche verabreden sich über WhatsApp um zu helfen … Schön!

Ich sehe unsere europäischen Nachbarn, die abends jeweils auf ihren Balkonen stehen und miteinander Musik machen, die sich verabreden, um mit großen Beifall den vielen Pflegenden und ÄrztInnen Dankeschön zu sagen. Da gibt ein Künstler vor leeren Stuhlreihen ein grandioses Konzert, und Menschen können dies am Radio und im Fernsehen mithören. All dies macht mir Hoffnung. So auch diese Worte, die eine liebe Freundin und Kollegin im 3. Buch Mose gefunden hat:

»Der HERR spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.« (Levitikus 26,6)

Ich bin überzeugt, dass es dies dringend braucht, um den Weltuntergangsreden, Verschwörungstheorien und Hamsterkäufen etwas entgegenhalten zu können.

Es braucht Schlaf … die Chance, ein wenig ausruhen zu können, mal zu pausieren, gerade wenn man gewohnt ist, ständig zu tun zu haben. Es tut gut, nicht ständig überlegen und bedenken zu müssen, was denn jetzt noch kommen wird. Mancher entdeckt zu Hause im Regal ein oder mehrere Bücher, die man nun mit viel Zeit lesen kann. Es werden Briefe geschrieben und miteinander telefoniert, da man sich momentan nicht besuchen kann. Da werden alte Spiele aus den Schränken gekramt, um mit den Kindern Zeit zu verbringen, und viele entdecken, was wirklich wichtig ist im Leben … all dies lässt uns hoffentlich gut schlafen, und wir schrecken nicht so leicht auf, wenn uns neue Nachrichten erreichen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen genügend und wohltuenden Schlaf, und dass wir uns heute und auch in Zukunft nicht aufschrecken lassen, von nichts und niemandem.

Bleiben Sie behütet.

Ihre Pfarrerin Andrea Köppen

 

Foto im Teaser: pixabay

 

Letzte Änderung am: 28.03.2020